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Forschungsschwerpunkte

MorphoSys entwickelt seine Fähigkeiten und Fertigkeiten als Wirkstoffproduzent kontinuierlich weiter, baut das Wissen über die verschiedenen Krankheitsbereiche aus und stärkt das firmeneigene Technologie-Angebot. Die Entwicklungsaktivitäten des Unternehmens konzentrieren sich derzeit auf Blutkrebserkrankungen und solide Tumore sowie entzündliche und Autoimmunerkrankungen.

Krebs

Der Onkologiemarkt besteht aus einer Vielzahl sehr heterogener Indikationen, die sich sowohl hinsichtlich des medizinischen Bedarfs als auch hinsichtlich ihres Vorkommens unterscheiden. Als Standardtherapie für die verschiedenen Formen von Krebserkrankungen werden Operationen, Chemotherapie, Bestrahlungen und Hormonbehandlungen angeboten. Moderne biologische Produkte jedoch bergen das Potenzial, diese Therapieformen zu revolutionieren. Wirkstoffe wie beispielsweise therapeutische Antikörper ermöglichen es, sehr gezielt gegen Krebszellen oder Signalmoleküle vorzugehen und so unerwünschte Nebeneffekte der Behandlung zu reduzieren.

MorphoSys entwickelt derzeit drei firmeneigene Krebswirkstoffe in klinischen Studien.

MOR202 ist ein vollständig menschlicher HuCAL-Antikörper gegen CD38, ein therapeutisches Zielmolekül zur Behandlung des multiplen Myeloms und potenziell auch bestimmter Leukämie-Formen.

Das zweite eigene Entwicklungsprogramm, das MorphoSys in diesem Bereich verfolgt, ist MOR208 (XmAb®5574). Der gegen CD19 gerichtete Antikörper wird zur Behandlung von B-Zell-Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen entwickelt.

Immunonkologie: Neue Wege im Kampf gegen Krebs

Immunonkologie ist derzeit einer der spannendsten Forschungsbereiche in der biopharmazeutischen Industrie: bei der Entwicklung der Therapien machen sich Forscher die natürliche Fähigkeit des Immunsystems zur Bekämpfung von Tumoren zunutze. Mit diesem revolutionären Ansatz sollen die Unzulänglichkeiten einer Behandlung durch Chemotherapie oder Bestrahlung überwunden werden. Antikörperbasierte Immunonkologie-Therapien sind besonders vielversprechend und potenziell als Therapie zur dauerhaften Tumorbekämpfung für zahlreiche Krebspatienten geeignet.

Moderne Immuntherapien zielen darauf ab, die Immunantwort des Körpers gegen den Tumor zu verstärken und Ausweichmanöver der Krebszellen zu blockieren. Um eine wirkungsvolle Antitumor-Reaktion des Immunsystems hervorzurufen, sind mehrere Entwicklungsschritte nötig. MorphoSys setzt hierfür seine firmeneigene Antikörperbibliothek Ylanthia und weitere Technologie-Plattformen ein, um Antikörper zu generieren die auf spezifische Kontrollpunkte des Immunsystems abzielen.

MorphoSys hat bereits in Partnerprogrammen sowie in der firmeneigenen Forschung mit einer Reihe von Zielmolekülen im Bereich der Immun-Checkpoints gearbeitet und will dieses Forschungsgebiet aktiv weiter ausweiten. Eines der Programme, in dem MorphoSys‘ Kenntnisse und Technologien auf dem Gebiet der Immunonkologie eingesetzt werden ist das Programm Utomilumab (PF-05082566) von Pfizer. Der Wirkstoff richtet sich gegen das auf T-Zellen vorhandene Zielmolekül 4-1BB und wird derzeit in klinischen Studien getestet.

Im Mai 2014 vereinbarten MorphoSys und der Darmstädter Pharmakonzern Merck KGaA eine Allianz zur Identifizierung und Entwicklung therapeutischer Antikörper gegen Zielmoleküle aus der Klasse der Immun-Checkpoints. Ylanthia, MorphoSys‘ neueste Antikörper-Technologie, wird im Rahmen der Vereinbarung zur schnellen Identifizierung von Inhibitoren gegen Immun-Checkpoints genutzt.

Entzündliche und Autoimmunerkrankungen

Sowohl Autoimmunerkrankungen als auch entzündliche Erkrankungen entstehen durch uncharakteristische Reaktionen des menschlichen Immunsystems. Bei Autoimmunität richtet sich das Immunsystem des Patienten gegen die körpereigenen Proteine. Bei chronischen entzündlichen Erkrankungen ziehen Zytokine und Chemokine konstitutiv Neutrophile und andere Leukozyten an und verursachen Gewebeschäden. Zu den entzündlichen Erkrankungen zählen unter anderem rheumatoide Arthritis (RA), multiple Sklerose (MS), Asthma, die chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD), Schuppenflechte und entzündliche Darmerkrankungen. Den größten Einzelmarkt in diesem Bereich macht die rheumatoide Arthritis aus, von der rund 1 % der weltweiten Bevölkerung betroffen ist. Daneben kommt es bei diversen Knochenerkrankungen zu Entzündungsprozessen. So gesehen stellt der Bereich der entzündlichen Erkrankungen einen wichtigen Arzneimittelmarkt mit mehreren Millionen betroffener Patienten dar.

Der am weitesten entwickelte Wirkstoff MOR103 von MorphoSys, ein vollständig menschlicher HuCAL-Antikörper, richtet sich gegen GM-CSF, ein therapeutisches Zielmolekül für die Behandlung verschiedener entzündlicher Erkrankungen. MOR103 hat die klinische Erprobung der Phase 1b/2a bei rheumatoider Arthritis abgeschlossen sowie eine Phase 1b-Studie in MS und wird von MorphoSys‘ pharmazeutischem Partner GlaxoSmithKline weiterentwickelt.

Antikörper gegen G-Protein gekoppelte Rezeptoren

G-Protein gekoppelte Rezeptoren (GPCRs) stellen in der Medikamentenentwicklung mit rund 800 Molekülen eine umfangreiche und bedeutende Gruppe relevanter Zielmoleküle dar. Die Proteine sind in nahezu jedem Organsystem aktiv und mehr als 300 Mitglieder dieser Molekülgruppe bieten sich als therapeutische Zielmoleküle in verschiedensten Krankheitsbereichen an, darunter Krebs, Herzerkrankungen, Diabetes, Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Adipositas, Entzündungen und Schmerz. Die technische Herausforderung, den winzigen, teilweise versteckten Teil eines GPCR-Proteins zu adressieren, der sich außerhalb der Zelle befindet und somit für Antikörper erreichbar ist, hat es jedoch bisher fast unmöglich gemacht, therapeutische Antikörper gegen diese Zielmolekülgruppe zu entwickeln.

MorphoSys kombiniert nun seine Erfahrung und technologischen Möglichkeiten, um Antikörper gezielt auf die extrazelluläre GPCR-Oberfläche zu lenken. Im Forschungsbereich setzt das Unternehmen dabei auf die einzigartige Antigen-Plattform StaR® von Heptares Therapeutics. Weiterentwickelt werden die therapeutischen Antikörper gegen GPCRs dann mit der firmeneigenen Antikörperbibliothek Ylanthia. Wir haben unser umfassendes Leistungsangebot bereits in einigen Projekten erfolgreich angewendet, um spezifische und funktionell aktive Anti-GPCR-Antikörper zu generieren. Im Rahmen von Co-Discovery- und Co-Development-Vereinbarungen bieten wir auch pharmazeutischen Partnern den Zugang zu den Technologien an.

Lanthipeptide

Peptide sind eine zunehmend wichtige Medikamentenklasse. Als natürliche Bindungsproteine für viele Zielmoleküle vereinbaren sie agonistische oder antagonistische Aktivität mit einem geringen Toxizitätsrisiko und können für Zielmoleküle in Krankheiten eingesetzt werden, wo Small Molecules oder antikörperbasierte Wirkstoffe nicht zum Einsatz kommen können.

MorphoSys ist bereits vor einigen Jahren durch seine Technologie-Partnerschaft mit Lanthio Pharma im Bereich der therapeutischen Peptide aktiv geworden. Die neuartigen, modifizierten Lanthipeptide machen die Erforschung hochselektiver Peptide möglich, die ausschließlich an einen spezifischen Subtypen des Zielmoleküls binden und diesen aktivieren. Sie sind zudem stabiler als lineare Wildtypen der Peptide, was sie zu aussichtsreichen Medikamentenkandidaten für schwerwiegende Krankheiten wie Fibrose oder multiple Sklerose macht.

Durch die komplette Übernahme von Lanthio Pharma im Mai 2015 ist es den Wissenschaftlern von MorphoSys nun möglich, ihre Expertise im Bereich therapeutischer Peptide zu vertiefen und die vielversprechenden Lanthipeptide, allen voran den präklinischen Wirkstoffkandidaten MOR107 (vormals LP2), weiterzuentwickeln.