MOR202

MOR202 ist ein vollständig humaner monoklonaler HuCAL-Antikörper gegen CD38, der sich in der Entwicklung zur Behandlung des multiplen Myeloms (MM) und möglicherweise auch zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen befindet.

MOR202 ist derzeit in klinischer Entwicklung zur Behandlung von Patienten mit wiederkehrendem oder therapieresitentem multiplen Myelom. Wir sind davon überzeugt, dass MOR202 ein möglicherweise differenziertes Sicherheits- und Anwendungsprofil in Bezug auf infusionsbedingte Reaktionen und die Dauer der Infusion gegenüber anderen gegen CD38 gerichteten Wirkstoffen aufweist. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass ein anti-CD38-Antikörper wie MOR202 auch therapeutische Aktivität in weiteren Indikationen, darunter Autoimmunerkrankungen, haben könnte.

MorphoSys und I-Mab Biopharma unterzeichneten Ende des Jahres 2017 eine exklusive regionale Lizenzvereinbarung zur Entwicklung und Vermarktung von MOR202 im Großraum China.

 

Wirkmechanismus

CD38 ist einer der am stärksten auf der Oberfläche der Plasmazellen vorhandenen Zellmarker und ein etablierter diagnostischer Marker für das Multiple Myelom. Der Wirkmechanismus von MOR202 beruht auf ADCC und ADCP der Plasmazellen. Dabei führt der Antikörper zu keiner Aktivierung des Komplementsystems (Komplement-abhängige zytotoxische Immunantwort, CDC), einer zusätzlichen Immunreaktion des Körpers und präklinische Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) durch MOR202 nicht beeinträchtigt werden.

 

Die Abbildung stellt den suggerierten Wirkmechanismus von MOR202 dar.

Der therapeutische Bereich: Multiples Myelom und mögliche weitere Indikationen

Beim Multiplen Myelom kommt es zu einer verstärkten und unkontrollierten Ansammlung von Plasmazellen im Knochenmark, die dort die Neubildung von gesunden und für die Hämatopoese verantwortlichen Stammzellen verdrängen. Darüber hinaus kommt es in der Nähe der Plasmazellen zum Knochenabbau (lytische Knochenläsionen), Osteoporose, damit verbundenen starken Schmerzen und zur Produktion abnormaler Proteine. Durch das Verdrängen der hämatopoetischen Stammzellen leiden die Patienten unter Anämien, es kommt zu einer chronischen Entzündung, zu Erythropoetinmangel und Vitaminmangel.
Derzeit gibt es keine standardisierte Behandlung des Multiplen Myeloms. Der individuelle Behandlungsplan eines Patienten stützt sich auf Faktoren wie Alter und allgemeine Gesundheit, Ergebnisse vom Labor- und zytogenetische (genomische) Tests, Symptome und Krankheitskomplikationen, vorherige Myelombehandlung, Lebensstil des Patienten, Ziele, Ansichten zur Lebensqualität und persönliche Präferenzen. Darüber hinaus haben viele Krebszentren eigene Leitlinien für die Behandlung des Myeloms entwickelt.Die Einführung von monoklonalen CD38-Antikörpern als Behandlungsoption des multiplen Myeloms, durch die Zulassung von Daratumumab bestärkt, könnte die Behandlung nachhaltig ändern. Aufgrund ihrer ausgeprägten Wirkungsmechanismen, des allgemein günstigen Toxizitätsprofils und der Aktivität eines einzelnen Wirkstoffs gelten CD38-Antikörper als attraktive Partner für Kombinationstherapien.
Zusätzlich zum multiplen Myelom deuten wissenschaftliche Untersuchungen darauf hin, dass ein anti-CD38-Antikörper wie MOR202 auch therapeutische Aktivität in Erkrankungen haben könnte, die von Plasmazellen verursacht werden.

 

Phase 1/2a-Dosis-Steigerungssstudie bei rezidiviertem/refraktärem multiplem Myelom (MorphoSys)

Der Wirkstoff MOR202 befindet sich derzeit in der klinischen Erprobung im Rahmen einer laufenden, offenen, multizentrischen klinischen Phase 1/2a-Dosissteigerungsstudie, die an mehreren Zentren in Deutschland und Österreich durchgeführt wird. Dabei wird die Sicherheit und Wirksamkeit von MOR202 allein sowie in Kombination mit den IMiDs Pomalidomid (Pom) bzw. Lenalidomid (Len) plus jeweils Dexamethason (Dex) bei Patienten mit rezidiviertem/refraktärem multiplem Myelom untersucht. Die primären Endpunkte der Studie sind die Sicherheit, Verträglichkeit und Erforschung der empfohlenen Dosierung von MOR202 allein und in Kombination mit IMiDs. Die sekundären Endpunkte sind Pharmakokinetik und vorläufige Wirksamkeit in Form der Kriterien Gesamtansprechrate, Ansprechdauer, Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung sowie progressionsfreies Überleben.

Phase 2-Studie zur Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit von MOR202/TJ202 in Kombination mit Dexamethason bei rezidiviertem/refraktärem multiplem Myelom (I-Mab)

Die multizentrische, einarmige Phase 2-Studie zur Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit von MOR202/TJ202 in Kombination mit Dexamethason bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom wird von I-Mab Biopharma durchgeführt. In die Studie aufgenommen werden Patienten auf dem chinesischen Festland und in Taiwan, die mindestens zwei vorherige Behandlungslinien erhalten haben, von denen eine Behandlung einen Proteasom-Inhibitor (PI) und einen Immunmodulator (IMiD) beinhalten muss. Alle Patienten erhalten in der Studie MOR202/TJ202 und Dexamethason (Dex). Der primäre Endpunkt der Studie ist die allgemeine Ansprechrate, sekundäre Endpunkte sind unter anderem die Ansprechdauer, die Zeit bis zur Progression und das progressionsfreie Überleben. Die Behandlung wird bis zu einem Ereignis wie Intoleranz oder fortschreitender Erkrankung fortgesetzt. Die Studie ist als Zulassungsstudie konzipiert, die bei Erfolg zu einem Zulassungsantrag, einer sogenannten Biologics License Application (BLA) in der Großregion China führen könnte.

Phase 3-Studie zur Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit von MOR202/TJ202 in Kombination mit Lenalidomid bei rezidiviertem/refraktärem multiplem Myelom (I-Mab)

Die randomisierte, offene, placebo-kontrollierte multizentrische Phase -3 Studie wird von I-Mab in Kontinentalchina und Taiwan durchgeführt. Sie untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit der Kombination von MOR202/TJ202 mit Lenalidomid (LEN) und Dexamethason (DEX) im Vergleich zur Kombination von LEN und DEX bei Patienten mit rezidivierendem oder refraktärem multiplen Myelom, die mindestens eine Erstlinienbehandlung erhielten. Der primäre Endpunkt ist die Bewertung des progressionsfreien Überlebens (PFS), wobei die Wirksamkeit von MOR202/TJ202 + LEN/DEX im Vergleich zu LEN/DEX untersucht wird. Die Studie ist als Zulassungsstudie konzipiert, die bei Erfolg zu einem Zulassungsantrag, einer sogenannten Biologics License Application (BLA) in der Großregion China führen könnte.

 

Partnering

Im November 2017 haben MorphoSys und I-Mab eine exclusive Lizenzvereinbarung für die Entwicklung und Kommerzialisierung im Großraum China (China, Taiwan, Hong Kong and Macao) abgeschlossen. I-Mab Biopharma hat nun die vollständige Verantwortung für die weitere Entwicklung und Kommerzialisierung von MOR202 in den vereinbarten Regionen.  I-Mab Biopharma hat im ersten Quartal 2019 die zulassungsrelevante klinischen Entwicklung von TJ202/MOR202 bei Patienten mit Multiplem Myelom gestartet.