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MOR103 (aktuell: GSK3196165)

MOR103 (aktueller Name: GSK3196165) ist ein vollständig humaner HuCAL-Antikörper gegen das Zytokin GM-CSF (Granulozyten-Makrophagen-Kolonie-stimulierender Faktor). 2013 wurde der Wirkstoff vollständig an GSK auslizensiert. GSK übernimmt daher die volle Verantwortung für die Weiterentwicklung und Vermarktung von MOR103.

MOR103 wird im Bereich der entzündlichen Erkrankungen entwickelt. Aufgrund der diversen Funktionen im Immunsystem kann GM-CSF als Zielmolekül für ein breites Spektrum von entzündungshemmenden Therapien betrachtet werden.

MOR103 bei Rheumatoider Arthritis

Rheumatoide Arthritis (RA) wird traditionell als chronische, entzündungsfördernde autoimmune Erkrankung beschrieben, die das Immunsystem veranlasst, die Gelenke anzugreifen. Sie betrifft vor allem eine Membran namens Synovium, die jedes bewegliche Gelenk umfasst. Es ist ein die Körperfunktionen lähmender und schmerzhafter Entzündungszustand, der aufgrund von Schmerzen und der Zerstörung der Gelenke zu einem erheblichen Beweglichkeitsverlust führen kann. Von der Krankheit sind weltweit ungefähr vier bis sechs Millionen Menschen betroffen. Bei Patienten, die an RA leiden, wandern weiße Blutkörperchen von der Blutbahn in das Synovium ein und führen zu einer Entzündungsreaktion.

GM-CSF stimuliert Stammzellen, damit diese Granulozyten und andere Makrophagen produzieren, und aktiviert anschließend diese differenzierten Immunzellen. GM-CSF ist Bestandteil der natürlichen Immun- und Entzündungskaskade, wurde jedoch auch als eine Schaltstelle für Entzündungen bei autoimmunen Fehlsteuerungen wie RA identifiziert. Diese führen zu einer gesteigerten Produktion von entzündungsfördernden Cytokinen, Chemokinen und Proteasen und dadurch schließlich zu einer Zerstörung der Gewebe.

2015 startete GSK eine Phase 2-Studie, die die Sicherheit und Verträglichkeit von MOR103 (in Kombination mit MTX) bei Patienten mit RA untersucht, worauf sich 2016 eine mechanistische Studie, ebenfalls mit RA-Patienten, anschloss.

Wirkmechanismus

Durch die Neutralisierung von GM-CSF reduziert der HuCAL-basierte Antikörper MOR103 die unerwünschte Verbreitung und Aktivierung von entzündungsfördernden Granulozyten und Makrophagen und greift in mehrere pathophysiologische Vorgänge ein.

MOR103 in Hand-Osteoarthritis

Osteoarthritis ist eine Erkrankung, die Schäden an der Oberfläche von Gelenken verursacht und zu Gelenkschmerzen und Steifheit führt. Bei einigen Patienten zieht dies Beeinträchtigungen bei Arbeit und alltäglichen Tätigkeiten nach sich. 2016 startete GSK eine klinische Phase 2-Studie um die Wirksamkeit und Sicherheit von MOR103 bei Patienten mit entzündlicher Hand-Osteoarthritis (HOA) zu untersuchen.

 

MOR103 bei Multipler Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Autoimmunerkrankung, die das Zentralnervensystem (ZNS) angreift und Gehirn, Rückenmark und Sehnerven beeinträchtigt. Das körpereigene Abwehrsystem greift dabei die sogenannte Myelinschicht an, die die Nervenfasern des ZNS umgibt und isoliert. Auch die Nervenfasern selbst können beschädigt werden. Das zerstörte Myelin bildet ein Narbengewebe (Sklerose), wodurch die Krankheit ihren Namen erhielt. Wird ein Teil der Myelinschicht oder der Nervenfasern beschädigt oder zerstört, werden die Nervenimpulse, die zwischen Gehirn und Rückenmark ausgetauscht werden, gestört oder unterbrochen, wodurch verschiedenste Symptome hervorgerufen werden.

GM-CSF kann als entzündungsförderndes Zytokin wirken, indem es die Aktivierung, Reifung und Differenzierung von Makrophagen und dendritischen Zellen anregt. Hierbei handelt es sich um Zelltypen, die entscheidend für das Auslösen und die Verbreitung zellvermittelter Immunantworten sind.

Präklinische Daten haben gezeigt, das GM-CSF auch in Multipler Sklerose eine zentrale Rolle spielen könnte. Basierend auf der überzeugenden wissenschaftlichen Grundlage, die die vielversprechenden präklinischen Daten bieten, hat MorphoSys Multiple Sklerose als zweite Indikation für MOR103 ausgesucht. Das Programm hat eine Phase 1b-Studie in MS abgeschlossen und die Daten wurden im September 2014 auf der ACTRIMS-ECTRIMS 2014 Konferenz präsentiert.

Klinische Studien

GSK untersucht MOR103 derzeit in zwei klinischen Phase 2-Studien bei Patinten mit RA sowie in einer Phase 2-Studie bei Patienten, die an entzündlicher Hand-Osteoarthitis leiden. Hier finden Sie weiterführende Informationen zu den aktiven klinischen Studien.

Hintergrundinformationen

Im Juni 2013 gingen MorphoSys und GSK eine globale Lizenzvereinbarung zur Entwicklung und Vermarktung von MOR103 ein. Gemäß den Vertragsbedingungen übernimmt GSK die Veantwortung für die gesamte Weiterentwicklung und Vermarktung des Wirkstoffes. Im Rahmen der Vereinbarung erhielt MorphoSys eine sofortige Vorauszahlung. Abhängig vom Erreichen bestimmter Entwicklungsschritte sowie regulatorischer, kommerzieller und umsatzbezogener Meilensteine hat MorphoSys zudem Anspruch auf weitere Zahlungen. Des Weiteren könnte MorphoSys Tantiemen aus Nettoverkaufserlösen im zweistelligen Prozentbereich erhalten (zur Pressemitteilung).