Vor rund 35 Jahren wurden die ersten Methoden etabliert, um spezifische Antikörper hervorzubringen, die als Medikament eingesetzt werden konnten. Diese Antikörper wurden ursprünglich aus Mäusen gewonnen. Ihre Funktionsweise unterschied sich nicht von den Antikörpern im menschlichen Immunsystem; sie banden im Schlüssel-Schloss-Prinzip an Antigene und rekrutierten andere Teile des Immunsystems zur Eliminierung von Krankheitserregern. Der Einsatz therapeutischer Antikörper ist hingegen nicht auf die Therapie infektiöser Erkrankungen beschränkt. Antikörper können beispielsweise ebenso zur Behandlung von Krebs eingesetzt werden, wenn spezifische Antigene auf der Oberfläche der Krebszellen präsent sind, oder aber zur Linderung bestimmter Entzündungsreaktionen.
Entwicklung der Antikörper-Technologien
Aus Mäusen gewonnene Antikörper eignen sich nur eingeschränkt als therapeutische Wirkstoffe, da das menschliche Immunsystem solche Antikörper als körperfremde Moleküle erkennt und eventuell eine Abwehrreaktion gegen sie auslöst. In diesem Fall bekämpft der menschliche Organismus den Antikörper, was den Nutzen der therapeutischen Substanz mindert. Es ist möglich, solche Abwehrreaktionen durch Chimerisieren oder Humanisieren der Maus-Antikörper zu reduzieren, wodurch deren Immunogenität gesenkt wird. Erst in jüngster Zeit haben technologische Fortschritte zu vollständig menschlichen Antikörpern geführt, die sehr wenige oder überhaupt keine Nebeneffekte zeigen sollten. MorphoSys entwickelte ein Konzept für die in-vitro-Herstellung von hochspezifischen und vollständig menschlichen Antikörpern und errichtete die Antikörperbibliothek HuCAL (Human Combinatorial Antibody Library).